Orange Day in Dorsten setzt starkes Signal

Mahnmal in der Innenstadt
Orangene Bank erinnert an Fatma. An der Essener Straße wurde am Mittwochabend ein Zeichen gesetzt, das nicht zu übersehen ist: Rund 100 Menschen kamen zusammen, um eine auffällig orangene Sitzbank einzuweihen. Sie trägt die Worte „Dorsten hat keinen Platz für Gewalt – In Erinnerung an Fatma“ und erinnert an die Dorstenerin Fatma N., die 2008 an dieser Stelle Opfer eines Femizids wurde. Die Farbe der Bank ist bewusst gewählt – sie steht für den Orange Day, den internationalen Aktionstag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen.
Die Einweihung ist Teil einer ganzen Reihe von Aktionen, organisiert von der Gleichstellungsstelle der Stadt und dem Frauenhaus Dorsten. Die Botschaft des Abends: Gewalt hat kein Zuhause in Dorsten. Nicht gestern, nicht heute, nicht morgen.
„Hinschauen und handeln“
Bürgermeister Tobias Stockhoff machte deutlich, wie wichtig sichtbare Zeichen sind. Die Bank sei „ein doppeltes Ausrufezeichen“: Erinnerung an Fatma – und Symbol für Verantwortung. „Sie erinnert uns an unsere Pflicht, hinzuschauen und zu handeln“, sagte Stockhoff. Einrichtungen wie das Frauenhaus, getragen vom Verein Frauen helfen Frauen, gäben Betroffenen Schutz und Perspektiven.
Auch Gleichstellungsbeauftragte Jacky Möller fand klare Worte. Gewalt sei kein abstraktes Problem, sondern real – mitten im Alltag, auch in Dorsten. Aktionen wie der Orange Day brächten das Thema in die Öffentlichkeit, hinein in Supermärkte, Schulen und an Orte wie diesen. „Wir holen das Thema in die Mitte der Gesellschaft“, sagte sie.

Quelle: Stadt Dorsten
Schicksale, die selten sichtbar sind
Der Blick auf die Bank war auch ein Blick auf all die Geschichten, die im Verborgenen bleiben. Nadine Kötters vom Frauenhaus erinnerte an Betroffene, deren Namen in keiner Statistik auftauchen. „Wir gedenken heute Fatma – und allen Frauen, deren Leben durch Gewalt ausgelöscht oder zerstört wurde.“ Die Bank sei ein Ort der Erinnerung, aber auch ein Auftrag: Betroffenen zuzuhören, ihnen zu glauben und Wege aus der Gewalt zu ermöglichen.
Unterstützung kam ebenfalls aus der Landespolitik. Die SPD-Landtagsabgeordnete Sandy Meinhardt lobte die Dorstener Initiative als beispielhaft. Wer im Alltag Haltung zeige, helfe, Gewalt sichtbar zu machen – auch dort, wo sie zunächst nicht erwartet werde.
Während die Worte nachhallten, leuchteten rund um die Bank orangefarbene Lichter. Sie verwandelten den Ort in eine stille Bühne – ein Bild, das viele der anwesenden Menschen noch lange im Kopf behalten dürften.
„Gewalt kommt bei uns nicht in die Tüte“
Schon früh am Morgen hatten andere Aktionen für Aufmerksamkeit gesorgt. Die Bäckerei Imping beteiligte sich mit speziell bedruckten Brötchentüten, versehen mit der Botschaft „Gewalt kommt bei uns nicht in die Tüte“. Dazu wurden orange glasierte Amerikaner verkauft.
Geschäftsführer Christoph Imping zeigte sich beeindruckt von der Resonanz. Viele Beschäftigte teilten die Aktion in eigenen Statusmeldungen. „Es gab unzählige Gespräche mit Kundinnen und Kunden. Gerade, wenn sie den Orange Day bislang gar nicht kannten“, sagte er. Genau darin liege der Wert: Aufklärung dort, wo Menschen zusammenkommen – am Küchentisch, beim Frühstück, im Alltag.

Stille und Stimmen in der Franziskanerkirche
Nach der Einweihung führte der Weg in die Franziskanerkirche. Der Gottesdienst, gestaltet von Pastoralreferent Kai Kaczikowski, Pfarrer Matthias Overath und Schülerinnen des St. Ursula Gymnasiums, setzte den emotionalen Höhepunkt des Tages. Der Gospelchor „Singing Hardt“ füllte das Kirchenschiff mit eindringlichen Liedern.
Am Altar standen drei leere Paar Schuhe – symbolisch für die im Sommer ermordete Ukrainerin, ihr Kind und eine getötete Frau aus Wulfen. Ein stilles Bild, das mehr sagte als Worte. Am Lorbeerbaum vor dem Kirchengarten knüpften Besucherinnen und Besucher rund 30 orangene Bänder. Jedes stand für zehn Fälle häuslicher Gewalt, die im vergangenen Jahr in Dorsten angezeigt wurden. Mehr als 300 Frauen – allein in dieser Stadt.
„Dorsten blickt auf einen eindrucksvollen Orange Day zurück“, resümierte Gleichstellungsbeauftragte Möller. „Die neue orangene Bank, die Beteiligung der Menschen, die vielen berührenden Beiträge – Dorsten steht zusammen: für Respekt, Solidarität und eine Zukunft ohne Gewalt.“
Info: Hilfe rund um die Uhr
- Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 116 016 – anonym, kostenlos, 24/7
- Beratung für Betroffene, Angehörige und Fachkräfte
- Unterstützung unabhängig von Herkunft, Religion oder Behinderung
- Online-Hilfe ebenfalls möglich

Lest außerdem
Unternehmer des Jahres – Preis für Peter Cosanne sowie
Ein neues Gesicht an der Spitze der Sparkasse Vest Dorsten sowie
Spenden beim Dorstener 24 Stundenlauf auf höchstem Stand sowie
Plakette für Helmut Winkler vom TSZ Royal Wulfen sowie
Das Netzwerk „Dorsten liest vor“ sucht dringend Lesepaten sowie
Neue Ausrüstung hilft Feuerwehr bei Bränden im Wald sowie
Schenke Zeit und Aufmerksamkeit – begleite Senioren im Alltag sowie
Die Ausbildung ist gefährdet – Kapelle sucht Lehrer für Musik sowie
Raum für Begegnung statt Parkplatz- Projekt in Lembeck und Rhade sowie
Alles über das Dorstener Kultur Programm 2025/26 sowie
Melden Rauch und schützen auch die Dorstener Feuerwehr sowie
Trauer um Ludwig Klapheck sowie
Jüdisches Museum setzt sich für mehr Inklusion ein sowie
VHS Dorsten verbessert Angebote für Menschen mit Hör–Problemen sowie
Freiwillig dienen in der Bio-Station Dorsten
dorsten.live ab sofort auch als App. Für Androids diese Zeile anklicken und für iPhones und iPads diese Zeile anklicken.
Orangene Bank erinnert an Fatma



























