Der Rhader lebt seit 30 Jahren auf Kuba und spielt mit der Schützenkapelle Rhade

Fast drei Jahrzehnte liegen zwischen den ersten Tönen in einer Rhader Schützenkapelle und der Rückkehr in die alte Heimat. Michael Elvermann hat in dieser Zeit nicht nur Kontinente überbrückt, sondern auch Kulturen miteinander verbunden. Der gebürtige Rhader blickt auf eine außergewöhnliche Laufbahn, die ihn bis an die Spitze eines renommierten Sinfonieorchesters in Kuba führte. Heute ist er wieder dort, wo alles begann: in Rhade.

Die musikalischen Wurzeln liegen in Rhade
Die Geschichte von Michael Elvermann Rhade beginnt bei der Schützenkapelle des Dorstener Ortsteils. Dort entdeckte er früh seine Leidenschaft für die Musik. Es folgte der Klarinettenunterricht an der Musikschule Dorsten, später das Abitur am St.-Ursula-Gymnasium und schließlich ein Musikstudium in Bremen.
Nach dem Studienabschluss zog es den Klarinettisten und Saxophonisten zunächst auf Tournee. Gemeinsam mit zwei südamerikanischen Musikern bereiste er ein Jahr lang Europa. Noch prägender wurden jedoch zahlreiche Reisen in die Karibik. Die Offenheit der Menschen, ihre Lebensfreude und die Musik faszinierten ihn so sehr, dass er sich schon damals vorstellen konnte, eines Tages dort zu leben.
Fast 30 Jahre auf Kuba
1997 fiel schließlich die Entscheidung. Michael Elvermann zog nach Santiago de Cuba und fand dort schnell seinen Platz in der lebendigen Musikszene.
Beruflich entwickelte sich seine Karriere beeindruckend. Mehr als 25 Jahre war er Solo-Klarinettist im renommierten Orquesta Sinfónica de Oriente. Später übernahm er sogar die Leitung des Orchesters als Chefdirigent. Hinzu kamen Gastdirigate, Konzerte beim internationalen Festival „Jazz Plaza“, Engagements bei den Eutiner Festspielen sowie zahlreiche Projekte als Komponist und Kammermusiker.
Auch privat fand der gebürtige Rhader sein Glück. Seit 25 Jahren ist er mit der Sängerin Ana Josefina Hernández Rosillo verheiratet, die derzeit durch Spanien tourt. Als Musiker und Musiklehrer genoss Elvermann viele Jahre das besondere Lebensgefühl der Karibik.
Das Leben zwischen Musik und Improvisation
So faszinierend das Leben auf Kuba war, stellte es die Menschen immer wieder vor Herausforderungen. Stromausfälle, Wasserknappheit und Versorgungsengpässe gehörten für viele zum Alltag.
„Die Menschen haben vieles mit einem Lächeln getragen“, erinnert sich Elvermann. Doch besonders in den vergangenen drei Jahren verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation deutlich. Auch für Kulturschaffende wurden die Bedingungen zunehmend schwieriger. Für den Musiker reifte deshalb der Entschluss, nach Deutschland zurückzukehren.
Ein bewegendes Wiedersehen in Rhade
Zurück in seiner Heimat schließt sich für Michael Elvermann Rhade ein Kreis. Er bringt seine jahrzehntelangen Erfahrungen wieder in das kulturelle Leben der Region ein und arbeitet erneut als Musiklehrer.
Ein besonderer Moment war für ihn das Wiedersehen mit der Schützenkapelle Rhade beim diesjährigen Schützenfest. Dort spielte er an allen Festtagen mit den Musikerinnen und Musikern, bei denen einst seine musikalische Reise begonnen hatte.
Für viele Besucher dürfte es ein gewöhnlicher Auftritt gewesen sein. Für Elvermann selbst war es weit mehr: eine Rückkehr zu seinen Wurzeln nach einer außergewöhnlichen Lebensreise.
Musik kennt keine Grenzen
Ob Rhade nun dauerhaft seine Heimat bleibt oder Kuba ihn eines Tages erneut anzieht, möchte Michael Elvermann heute nicht festlegen.
Fest steht jedoch, dass seine Geschichte zeigt, wie Musik Menschen und Kulturen miteinander verbinden kann. Zwischen Dorsten und Santiago de Cuba liegen Tausende Kilometer. Für Michael Elvermann waren sie nie ein Hindernis, sondern der Takt einer Lebensreise, die bis heute zwei Welten miteinander verbindet.

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