Jubel in der Feldmark: Hardter König holt seltenen Stadtkaiser-Titel

Wenn in Dorsten ein neuer Stadtkaiser gekrönt wird, ist das kein gewöhnliches Schützenereignis. Schließlich wird dieser Titel nur alle 25 Jahre vergeben. Am Freitagabend erlebten mehrere hundert Besucher auf dem Festplatz an der Wilhelm-Norres-Straße einen dieser seltenen Momente, als Jonas Spickermann den entscheidenden Treffer setzte und sich damit in die Stadtgeschichte eintrug.
Pünktlich zum Beginn des Festabends zeigte sich das Wetter deutlich freundlicher als zunächst erwartet. Nachdem zuvor noch Regen angekündigt worden war, präsentierte sich die Feldmark rechtzeitig zum Ausmarsch von ihrer besten Seite. Unter blauem Himmel und bei angenehmen Temperaturen starteten Schützen, Musikzüge und Gäste in ein Wochenende voller Tradition und Gemeinschaft.
Feierlicher Auftakt zum Schützenfest in der Feldmark
Der Startschuss für die Festtage fiel am Vereinslokal Maas-Timpert. Dort begrüßte Oberst Dirk Bauckholt die zahlreichen Teilnehmer und stimmte sie auf das Schützenfest ein. Anschließend zog das Bataillon durch die Feldmark bis zum Ehrenmal am katholischen Friedhof an der Gladbecker Straße. Dort gedachten die Schützen der Opfer von Krieg, Terror und Gewalt, bevor der Festzug weiter zum Festplatz zog.
Dort wartete bereits der Höhepunkt des Abends: das Stadtkaiserschießen. Die amtierenden Schützenkönige der Dorstener Vereine traten in festgelegter Reihenfolge gegeneinander an, um den begehrten Titel des Stadtkaiser Dorsten auszuschießen.
Frühe Treffer sorgen für Spannung
Zunächst schien alles auf einen schnellen Wettbewerb hinauszulaufen. Bereits in den ersten Runden fielen die traditionellen Insignien des Vogels. Die Krone wechselte früh den Besitzer, wenig später folgte das Zepter. Auch das Feldmarker Wappen wurde bereits nach kurzer Zeit von der Stange geholt und sorgte für Begeisterung bei den heimischen Zuschauern.
Doch danach entwickelte sich der Wettbewerb völlig anders als erwartet. Der hölzerne Adler erwies sich als äußerst widerstandsfähig. Selbst nach zahlreichen Treffern blieb der Vogel hartnäckig stehen. Nachdem die Schießbedingungen angepasst wurden, gelang es schließlich, die Flügel zu Fall zu bringen. Dennoch blieb der Rumpf erstaunlich stabil.
Ein Schießkrimi mit Happy End
Mit fortschreitender Dauer verwandelte sich das Kaiserschießen in einen echten Nerventest für Teilnehmer und Publikum. Immer wieder brandete Applaus auf, wenn größere Holzstücke aus dem Vogel herausbrachen. Die Zuschauer fieberten mit jedem Schuss mit und sorgten für beste Stimmung auf dem Festplatz.
Besonders Jonas Spickermann rückte dabei immer stärker in den Mittelpunkt. Der Hardter Schützenkönig hatte dem Vogel bereits zuvor sichtbar zugesetzt und ihm deutlich die Stabilität genommen. Als sich die Entscheidung schließlich anbahnte, wurde es auf dem Platz spürbar ruhiger.
Dann folgte der entscheidende Moment: Spickermann trat erneut an die Vogelstange, zielte und traf. Die letzten verbliebenen Teile des Vogels lösten sich – und stürzten unter lautem Jubel zu Boden.
Ein Platz in der Dorstener Schützengeschichte
Mit seinem Erfolg tritt Jonas Spickermann die Nachfolge von Ludwig Klapheck an, der den Titel beim Stadtjubiläum im Jahr 2001 gewonnen hatte. In der Geschichte der Stadt ist Spickermann erst der dritte Träger des Titels. Genau deshalb besitzt der Erfolg eine besondere Bedeutung.
Nach seinem Triumph wurde der neue Stadtkaiser Dorsten von seinen Schützenkameraden gefeiert und auf die Bühne getragen. Dort erfolgte gemeinsam mit Bürgermeister Tobias Stockhoff die offizielle Inthronisierung. Auch Schützenkönigin Anna Bomm stand im Mittelpunkt der Ehrungen und erhielt zahlreiche Glückwünsche.
Auch der Biervogel fand einen neuen König
Bereits einen Tag zuvor gab es auf dem Festgelände einen weiteren Grund zum Feiern. Beim traditionellen Biervogelschießen der 1. Kompanie bewies Marius Pohl Ausdauer und Treffsicherheit. Erst nach 179 Schüssen fiel der Vogel von der Stange und machte ihn zum neuen Biervogelkönig.
So wurde die Feldmark bereits vor dem eigentlichen Festwochenende zum Schauplatz gleich mehrerer besonderer Momente. Der größte davon wird jedoch noch lange in Erinnerung bleiben: Mit Jonas Spickermann hat Dorsten einen neuen Stadtkaiser – und einen Namen mehr in den Geschichtsbüchern der Dorstener Schützenvereine.

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