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Feldbahn-Geschichten – ab dem 12. Februar im Tisa-Archiv in Dorsten

Auszüge der Ausstellung Feldbahn-Geschichten im Tisa-Archiv. Foto: Tisa-Stiftung
Auszüge der Ausstellung Feldbahn-Geschichten im Tisa-Archiv. Foto: Tisa-Stiftung

Ab dem 12. Februar ist im Tisa-Archiv an der Fürst-Leopold-Allee 65 eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen in Kooperation mit der Historischen Kommission für Westfalen und dem LWL-Industriemuseum Ziegelei Lage zu sehen. Der Titel dieser Ausstellung lautet: Feldbahn-Geschichten. 

Früher die Feldbahn, heute der LKW

Die Feldbahn war zwischen 1900 und 1950 das, was heute der Lastwagen ist – flexibel, weil ihre Gleise schnell verlegbar sind und überall im Einsatz. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat der kleinen Schwester der Eisenbahn eine Wanderausstellung gewidmet, die voraussichtlich bis zum 3. April im Tisa-Archiv in Dorsten zu sehen ist.

In der Wanderausstellung zeigen zum Teil 100 Jahre alte historische Fotos die vielfältigen Einsatzgebiete des Transportmittels in Industrie und Landwirtschaft. Alle gezeigten Bahnen befanden sich in Westfalen und Lippe. Feldbahn-Forscher Rüdiger Uffmann und Dr. Burkhard Beyer, Geschäftsführer der Historischen Kommission für Westfalen beim LWL, haben 2019 für das LWL-Ziegeleimuseum Lage (Kreis Lippe) eine Sonderausstellung zur Feldbahn-Geschichte zusammengetragen.

Auf Wanderschaft gehen die Tafeln dieser Ausstellung mit mehr als 40 Beispielen für die Verwendung von Feldbahnen. Dabei reichten die verschiedenen Einsatzbereiche der Feldbahnen vom Bergbau über die Stahlindustrie, Ziegeleien und Trümmerbahnen bis hin zur Hausrollbahn, die zur Überwindung kurzer ebener Strecken in Hinterhöfen diente.

Ausdrucksstarke Bilder mit verbundenen Geschichten

Die Ausstellung zeigt nicht nur ausdrucksstarke Bilder, sondern erzählt auch die damit verbundenen Geschichten, also Feldbahn-Geschichten. Wie wurde aus der Schiefergrube ein Tauchparadies, in dem es unter Wasser alte Loren zu entdecken gibt? Was hatte es mit dem Paderborner Bauern auf sich, der als Besitzer von fünf Pferden zu stolz war, eine Lokomotive anzuschaffen? Wofür waren die „Platzloks“ der Ruhrkohle AG zuständig? Eine Modellinstallation, die Feldbahnszenen zeigt, ergänzt die Ausstellungstafeln. Originalfahrzeuge konnten aus Platz- und Gewichtsgründen nicht mit auf die Reise gehen.

Der Name „Feldbahn“ geht auf eine Erfindung des französischen Gutsbesitzers Paul-Armand Decauville zurück, der 1875 für die Ernte ein einfaches, wetterunabhängiges Transportsystem suchte. Er entwickelte ein transportables, leicht verlegbares Schienen- und Fahrzeugsystem, das zuerst auf seinen Feldern zum Einsatz kam. Ihre Flexibilität und Anpassungsfähigkeit machte die Feldbahn schon bald weltweit zu einem wichtigen Transportmittel.

Bald wurden die schnell verlegbaren Gleise und Kipploren auf Baustellen, in Wäldern, beim Torfabbau und in Ziegeleien eingesetzt. Die meisten Wagen wurden geschoben, manchmal bewegten Pferde und Ochsen sie. Größere Betriebe beschafften auch Dampfloks, später Dieselloks.

Auszüge der Ausstellung Feldbahn-Geschichten im Tisa-Archiv. Foto: Tisa-Stiftung
Auszüge der Ausstellung Feldbahn-Geschichten im Tisa-Archiv. Foto: Tisa-Stiftung

Geschichte geht zurück ins 18. Jahrhundert

Im Bergbau an der Ruhr gab es im 18. Jahrhundert Wagen mit Holzschienen für den Kohlentransport, unter und über Tage. Schon 1790 begann man, Eisenstücke auf die Holzschienen zu nageln, aus der Schiebebahn wurde eine Eisenbahn. Zunächst bewegten Pferde und Ochsen die Wagen. Die ersten Feldbahn-Lokomotiven wurden wie ihre großen Schwestern mit Dampf betrieben, wenig später bereits mit Elektrizität. Doch der Dieselmotor setzte sich durch. Die Hersteller von Feldbahn-Loks – Henschel, Jung, Deutz, Schöma, Diema und viele andere – bauten Gleise, Loks und Loren für Feldbahnen und Grubenbahnen. Die Feldbahnen fuhren auf allen großen Baustellen, halfen beim Bau von Schifffahrtskanälen und den ersten Autobahnen.

„Wie nicht anders zu erwarten, entdeckte auch das Militär die neue Technik. Im Ersten Weltkrieg trugen Feldbahnen hinter der Front entscheidend zur Nachschubversorgung bei“, sagt Dr. Burkhard Beyer. „Im Zweiten Weltkrieg war der Feldbahn eine ähnliche Rolle zugedacht, aber das vorbereitete Material kam kaum zum Einsatz.“ Trümmerbahnen transportierten die Schuttberge nach 1945 aus den Städten. Torfbahnen ermöglichten den industriellen Abbau der trockengelegten Moore. Seit den 1960er Jahren ersetzten Gabelstapler, Förderbänder und Lastwagen das traditionelle Transportmittel. Nur im Torfabbau in Niedersachsen werden sie noch in nennenswertem Umfang eingesetzt.

Auszüge der Ausstellung Feldbahn-Geschichten im Tisa-Archiv. Foto: Tisa-Stiftung
Auszüge der Ausstellung Feldbahn-Geschichten im Tisa-Archiv. Foto: Tisa-Stiftung

Feldbahn-Freunde in Schermbeck-Gahlen

In direkter Nachbarschaft zu Dorsten heißen die Feldbahn-Freunde Schermbeck-Gahlen ihre Besucher mit einer Fahrt mit der Feldbahn willkommen. Der Verein kooperiert mit der Tisa-Stiftung und reichert die Ausstellung mit seinem Wissen an. Auch die Eisenbahnfreunde „On Wheels Dorsten” sind mit dabei und ergänzen mit drei Filmen zu Feldbahnen, die während der Öffnungszeiten laufen, die Ausstellung des LWL.  

Natürlich dürfen auch Werke von Tisa von Schulenburg nicht fehlen. Ihre Verbundenheit zum Bergbau und ihre Zeichnungen der Bergleute, Einschienen-Hängebahnen, schwerem Gerät und Beförderung unter Tage laden zum Besuch der Ausstellung ein.

Start der Ausstellung am Sonntag, 12. Februar 2023 von 12.00 – 16.00 Uhr im Tisa-Archiv, Fürst Leopold-Allee 65, 46284 Dorsten

Öffnungszeiten Tisa-Archiv:
Dienstag, Mittwoch, Freitag 10.00 – 12.00 Uhr
Donnerstag 16.00 – 18.00 Uhr
Jeden 1. Sonntag im Monat 11.00 – 15.00 Uhr

Noah Averkamp
Noah Averkamp
Über Umwege jetzt endlich angekommen. Mein Name ist Noah Averkamp und ich bin „der Neue“ bei dorsten.live. Aus Dorsten – für Dorsten. Genau das ist bei mir der Fall. Ich bin auf der Hardt zuhause und engagiere mich ehrenamtlich in der ev. Kirchengemeinde Gahlen sowie bei TEN SING Gahlen. In meiner Vergangenheit war ich unter anderem für die Mediengruppe RTL und ein anderes Dorstener Medienhaus tätig. Aber jetzt kann ich final behaupten: Ich bin endlich genau da angekommen wo ich hin möchte.

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