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Donnerstag, 23. Mai, 2024

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Gesamtschule Wulfen: Was Gewebe für Geschichten erzählen

Die Biologie Leistungskurse der Gesamtschule Wulfen hörten zum ersten Mal einen wissenschaftlichen Vortrag eines englischen Professors via Zoom / Foto: Gesamtschule Wulfen
Die Biologie Leistungskurse der Gesamtschule Wulfen hörten zum ersten Mal einen wissenschaftlichen Vortrag eines englischen Professors via Zoom / Foto: Gesamtschule Wulfen

Die Biologie Leistungskurse der Gesamtschule Wulfen von Katlen Schwane und Stephanie Olbrich kamen mit Schulanfang in den Genuss eines sehr besonderen Vortrags.

Professor Dr. Wolfram Meier-Augenstein, Professor für Stabilisoto­pen­forensik und Analytische Chemie an der Robert Gordon Universität in Aberdeen (United Kingdom), nahm sich einen Vormittag Zeit, um einen Vortrag über seine Arbeit via Zoom zu halten. „Schüler haben häufig keine Vorstellung, wie eine wissenschaftliche Karriere aussehen könnte“, so Schulleiter Hermann Twittenhoff. „Daher finden wir wichtig, Schüler auch diese berufliche Perspektive näherzubringen. Ein Professor, wie Dr. Meier-Augenstein, der sein ganzes wissenschaftliches Leben einem Thema gewidmet hat, kann natürlich mit seiner Leidenschaft die Begeisterung der Schüler ganz anders wecken“, ergänzt Katlen Schwane, die dieses Projekt begleitete.

Hohe Prominenz bei der Gesamtschule Wulfen

Professor Dr. Meier-Augenstein hat nehmen seiner For­schungstätigkeit viel mit Strafverfolgungsbehörden in mehreren Ländern zusammen gearbeitet und in über 30 Fällen unterstützt. Er ist bei der britischen National Crime Agency (NCA) als Experte in forensischer Stabilisoto­penanalytik registriert.

Egal ob Herkunft von Kokain- oder Amphetamin, Überreste eines menschlichen Körpers, Produktfälschungen wie bei Schottischem Whiskey oder Shampoo, mit Hilfe der Isotopenanalyse können Wissenschaftler wie Professor Dr. Meier Augenstein eine Menge herausfinden.

Isotope sind unterschiedlich schwere Atom-Arten eines Elements. Jeder Organismus, egal ob Pflanze oder Mensch nimmt durch z.B. Nahrung, Getränke und Umwelt u.a. die Elemente Kohlenstoff, Stickstoff, Sauerstoff, Phosphor und Schwefel auf. Durch verschiedene Faktoren weisen unterschiedliche Regionen unterschiedliche Isotopenwerte auf.

Isotope geben viel Auskunft

Das Verhältnis von Wasserstoff- und Sauerstoff- Isotopen gibt beispielsweise Auskunft über das jeweilige Klima. Dabei unterschiedenen sich Regionen am Meer von Regionen im Inland oder den Bergen. Schwerere Isotope regnen z.B. schneller ab, als leichte.

Die Menge an verschiedenen Stickstoff-Isotopen verrät den Wissenschaftler etwas darüber, ob eine Person z.B. viel Fleisch, Fisch oder Milchprodukte gegessen hat. Die Kohlenstoffatome können dabei helfen Europäer von US-Amerikanern zu unterscheiden. Mais und Zuckerrohr sind C4-Pflanzen, die Nahrung der Amerikaner basiert auf Mais und Zucker aus Zuckerrohr, während in Europa eher C3-Pflanzen wie Zuckerrüben für die Zuckerherstellung genutzt werden.

Möchte man z.B. Anbaugebiete bestimmter Drogen wie Kokain herausfinden, ist ein einzelnes Isotop oft nicht ausreichend. Erst das übereinanderlegen verschiedener Nuklidkarten, kann z.B. dazu führen, dass ein Anbaugebiet für Coca-Pflanzen ziemlich eingegrenzt wird. Das habe die Ermittlungsarbeiten völlig revolutioniert, so Professor Dr. Meier-Augenstein. Man könne heute Drogenfunde auf der ganzen Welt einzelnen Kartellen oder „Drogenküchen“ zuordnen, so könne man Handelswege rekonstruieren und komme viel besser an die Hintermänner heran.

Die Schüler waren sehr begeistert

Die Schüler fanden den Vortrag zwar sehr anspruchsvoll, schließlich hatten sie noch nie einen echten, wissen­schaftlichen Vortrag in dieser Form gehört, waren aber sehr begeistert. „Gruselig“ fanden viele Schüler die Vorstellung, dass anhand von Isotopenmustern das Leben einer Person grob rekonstruiert werden könne. Im Isotopenmuster einer Person zeigt sich, wo sie ungefähr zu Hause ist. Auch, wo der Tote aufgewachsen, wann er womöglich in ein anderes Land gezogen ist, ob er am Meer gelebt und wie er sich ernährt hat. „Spannend, was Gewebe so für Geschichten erzählen können“ sind sich Stephanie Olbrich, Katlen Schwane und die Schüler einig.

Am Ende nahm sich Professor Meier-Augenstein noch Zeit für Fragen. Hier interessierten sich die Schüler vor allen Dingen dafür, wie man Professor wird und warum er ausgerechnet in Schottland lebt und forscht. Wie so oft, waren hier Kommissar Zufall und die Liebe im Spiel.

Die GSW in Kürze:

Die GSW zählt zu den ältesten Gesamtschulen in NRW. Die GSW ist ausgezeichnet als „Schule ohne Rassismus“, „Schule ohne Gewalt“, „Gesunde Schule“ und als „Vorbildliche Schule“. Schwerpunkte liegen auf dem „Gemeinsamen Unterricht“, der Hochbegabten För­derung in Zusammenarbeit mit der Universität Münster. Die GSW ist ausgezeichnete MINT-Schule mit naturwis­senschaftlichem und technischem Schwerpunkt und ist Bundessieger des Jugend-Software-Preises. Sie nimmt am Modellprogramm „Kulturagenten für kreative Schulen“ teil und fördert die kulturelle Bildung.

Noah Averkamp
Noah Averkamp
Über Umwege jetzt endlich angekommen. Mein Name ist Noah Averkamp und ich bin „der Neue“ bei dorsten.live. Aus Dorsten – für Dorsten. Genau das ist bei mir der Fall. Ich bin auf der Hardt zuhause und engagiere mich ehrenamtlich in der ev. Kirchengemeinde Gahlen sowie bei TEN SING Gahlen. In meiner Vergangenheit war ich unter anderem für die Mediengruppe RTL und ein anderes Dorstener Medienhaus tätig. Aber jetzt kann ich final behaupten: Ich bin endlich genau da angekommen wo ich hin möchte.

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